Das Obere Rhinluch ist eine offene Moorlandschaft mit üblicherweise hohem Grundwasserstand. Eine mehrere Meter dicke Torfschicht wurde in den letzten Jahrhunderten abgebaut. Seitdem wird versucht, das Gebiet urbar zu machen.
Ständige Bemühungen, das Obere Rhinluch durch Absenkung des Grundwasserspiegels intensiv zu nutzen, führen neben einer Schädigung des Moorbodens durch CO2-Abgabe in die Atmosphäre dazu, dass die Zahl der auf den Wiesen wachsenden Gräser und der dort lebenden Insekten, Amphibien und Vögel dramatisch abnimmt. Die Nahrungskette und der natürliche Charakter der Landschaft wurden nach und nach zerstört. Das Birkhuhn zum Beispiel war noch bis 1940 häufig im Oberen Rhinluch anzutreffen, die Großtrappe konnte ich noch 1999 am Dorotheenhof filmen. Beide Tierarten sind hier heute nicht mehr anzutreffen.
Die Veratmung des Moores bedeutet, dass die Humusschicht jedes Jahr um 0,5 - 2cm abnimmt. Das Phänomen lässt sich besonders gut an einigen letzten noch auf der Wiese stehenden Bäumen sehen. Deren Wurzeln schauen bis zu einem Meter aus der Wiese heraus. Das sieht imposant aus, beschreibt aber den kläglichen Zustand des Moores.
Die zwei heute üblichen Bewirtschaftungsformen der Wiesen sind:
Eine wesentlich kleingliedrigere Bewirtschaftung wäre wünschenswert - Beweidung wäre eine Alternative. Da kann man z.B. die Weide so portionieren, dass die Tiere nur kurze Zeit auf einem Stück weiden, das Gras abfressen (und gut düngen), und nach geraumer Zeit auf das nächste Stück gestellt werden.
Mit unserem extensiven Weideprojekt möchten wir die Landschaft pflegen, die Artenvielfalt erhalten und dabei das Moor schonen. Unsere Flächen befinden sich im Zentrum des Oberen Rhinluchs und somit mitten im neuen Naturschutzgebiet. Der Erhalt des Landschaftscharakters ist Bedingung, die Anwendungen ökologischer Grundsätze selbstverständlich.
Durch den weichen und feuchten Moorboden kommen nur speziell angepasste Rinder in Frage. Kleine und robuste Rinderrassen fügen sich optimal in die Kreisläufe des Luchs ein. Sie schonen den Moorboden und können das ganze Jahr im Freien gehalten werden. Der auf den Weiden verbleibende unbelastete Dung wird Teil der natürlichen Nahrungskette. Insekten werden angezogen, ihnen folgen Amphibien, große und kleine Vögel. Durch Trittschäden entstandene Mini-Nischen werden gern von Wiesenbrütern und seltenen Pflanzen als Lebensraum angenommen. Eine Verbuschung wird durch das Verbeißen von Gehölzaufwuchs verhindert. Die Landschaft bleibt offen. Durch selektives Fressverhalten bleiben genügend viele Gräser stehen, die für die Reproduktion der Wiese nötig sind. Auch so wird dem Artenschwund entgegen gewirkt.
Die so betriebene extensive Landwirtschaft ist nicht auf Gewinn um jeden Preis ausgerichtet. So wachsen unsere Robustrinder wesentlich langsamer heran als speziell gezüchtete große Rinderrassen, und dabei erreichen sie doch nur ein wesentlich geringeres Endgewicht.Genießer schätzen dafür den deutlich besseren Geschmack des Fleisches. Das dies einen höheren Preis hat, ist verständlich. Wird doch nebenbei ein kleines Stück "bessere Welt" geschaffen, und das sollte es doch Wert sein, oder?
Literatur: